Tacoronte auf Teneriffa steht vor einem Verlust seiner bäuerlichen Tradition: Urbano López Bonilla ist der letzte Ziegenkäser in der Gemeinde. Mit seiner Käseproduktion „Tagoror“, die bei einem Wettbewerb in Pinolere eine Silbermedaille für frischen Ziegenkäse aus roher Milch erhielt, hält er eine jahrhundertealte Handwerkskunst am Leben. Doch die bürokratischen Hürden und der Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe erschweren die Weitergabe dieses Gewerbes an die nächste Generation erheblich.
Urbano López Bonilla begann seine Ziegenhaltung in jungen Jahren, als er die ersten Tiere von seinem Vater übernahm. Während sein Großvater nur zwei oder drei Ziegen hielt – damals üblich für den Hausgebrauch – stieg die Zahl bei seinem Vater auf bis zu 25 Tiere. Heute bewirtschaftet Urbano etwa 80 Ziegen der Rasse Tenerife Norte. Sein Engagement für die Ziegenzucht und Käseherstellung ist tief verwurzelt, doch der Weg dorthin war nicht einfach. Er absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung mit Schwerpunkt Tierhaltung, um sein Wissen zu vertiefen und neue Techniken zu erlernen. Trotz formaler Schulung ist die tägliche Praxis mit den Tieren für ihn unverzichtbar, um Herausforderungen wie Krankheiten oder schwierige Geburten zu meistern.
Der Tagesablauf von Urbano ist streng getaktet: Frühmorgens beginnt er mit der Arbeit an den Ziegen, während seine Eltern sie während seiner Abwesenheit füttern. Nach einem weiteren Job, der ihm ein regelmäßiges Einkommen sichert, widmet er die Nachmittage und Abende den Tieren, melkt sie und verarbeitet die Milch zu Käse. Viele seiner Kunden kommen direkt zu ihm nach Hause, was die Vermarktung erleichtert und den Transportaufwand minimiert. Die enge Verbindung zur lokalen Gemeinschaft zeigt sich deutlich: Der Großteil seines Käses bleibt in Tacoronte und stärkt so die regionale Wirtschaft.
Die Situation der Ziegenhaltung in Tacoronte ist jedoch kritisch. Früher gab es noch sechs oder sieben Ziegenbauern in der Gemeinde, heute ist Urbano der letzte verbliebene. Die anderen älteren Landwirte haben ihre Betriebe aufgegeben, und es fehlt an jungen Menschen, die die Arbeit übernehmen wollen. Die zunehmende Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen und die Abwanderung aus dem ländlichen Raum setzen der traditionellen Viehzucht zu. Urbano empfindet dies als Verlust für die Gemeinde, die von Natur und Landwirtschaft geprägt ist. Ohne ihn droht das Ende der Ziegenkäseproduktion und damit ein Stück kulturelles Erbe Tacorontes.
Neben der physischen Belastung des täglichen Umgangs mit den Tieren kommt der psychische Druck hinzu. Schlechte Jahre, in denen die Herde nicht gedeiht, erzeugen Stress und Zweifel. Die Arbeit mit Ziegen erfordert ständige Aufmerksamkeit, denn die Tiere sind empfindlich: Eine Krankheit kann schnell zum Tod führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird. Urbano beschreibt die Tiere als zerbrechlich wie Glas, entgegen der landläufigen Meinung, Ziegen seien robuste Nutztiere. Dieses Wissen und die Erfahrung machen die Ziegenhaltung zu einer anspruchsvollen Aufgabe.
Ein zentrales Hindernis für die Zukunft der Ziegenzucht auf Teneriffa sieht Urbano in der Bürokratie. Die vielen Vorschriften und Auflagen erschweren es jungen Landwirten, einen Betrieb zu übernehmen oder neu zu gründen. Die bürokratischen Barrieren wirken wie ein Bremsklotz für die Generationswechsel in der Landwirtschaft. Ohne Erleichterungen und Unterstützung droht die Tradition der Ziegenkäseherstellung in Tacoronte und auf Teneriffa insgesamt zu verschwinden.
Für Urlauber, Auswanderer und Einheimische auf den Kanaren ist diese Entwicklung von Bedeutung. Die Ziegenkäseproduktion zählt zu den regionaltypischen Produkten, die das touristische Angebot bereichern und die lokale Identität stärken. Der Erhalt solcher Handwerksbetriebe sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Vielfalt der Landwirtschaft und die Pflege der Kulturlandschaft. Urbano López Bonilla steht exemplarisch für den Kampf vieler kleiner Landwirte, die trotz widriger Umstände ihre Traditionen bewahren wollen – eine Herausforderung, die auch die Zukunft der Kanarischen Inseln prägt.
Quelle: tenerifeweekly.com
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