Seit 2017 wurden auf den Kanarischen Inseln 24 Fälle invasiver Mückenarten registriert. Eine dauerhaft etablierte Population konnte nach Angaben der Gesundheitsbehörden bislang verhindert werden. Zuletzt wurden jedoch auf Gran Canaria und La Gomera erneut Exemplare entdeckt.
José Díaz-Flores, Direktor für öffentliche Gesundheit beim Kanarischen Gesundheitsdienst, verwies auf die Bedeutung der systematischen Überwachung. Diese soll verhindern, dass sich eingeschleppte Mückenarten dauerhaft auf den Inseln ansiedeln.
Für Bewohner und Urlauber stellt sich vor allem die Frage, welche Gebiete betroffen sind, welche gesundheitlichen Risiken bestehen und wie sie sich schützen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2017 wurden auf den Kanaren 24 Fälle invasiver Mückenarten festgestellt.
- Nach Angaben der Gesundheitsbehörden hat sich bislang keine dauerhafte Population etabliert.
- Aktuelle Nachweise betreffen Mogán auf Gran Canaria und Valle Gran Rey auf La Gomera.
- Nachgewiesen wurden unter anderem die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti).
- Die Behörden kontrollieren betroffene Gebiete mit Mückenfallen und gezielten Inspektionen.
- Bewohner können verdächtige Mückenfunde direkt beim kanarischen Gesundheitsdienst melden.
Wo wurden zuletzt invasive Mücken entdeckt?
Besonders im Fokus der Gesundheitsbehörden stehen derzeit zwei Inseln.
Gran Canaria: Mogán und Motor Grande
Am 1. Oktober 2026 meldete die kanarische Gesundheitsbehörde den Nachweis der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) in Motor Grande, einem Gebiet der Gemeinde Mogán im Süden Gran Canarias.
Ausgangspunkt der Untersuchung war eine Meldung über ungewöhnlich viele Mückenstiche während des Tages.
Am 6. Oktober folgte eine weitere Mitteilung: Im Ortskern von Mogán wurden Larven der Art Aedes aegypti nachgewiesen.
Die Gesundheitsbehörden verstärkten daraufhin die Kontrollen. In den betroffenen Bereichen wurden zusätzliche Mückenfallen aufgestellt und Untersuchungen durchgeführt.
La Gomera: Valle Gran Rey
Auch in Valle Gran Rey auf La Gomera wurde die Asiatische Tigermücke nachgewiesen.
Der Fund erfolgte auf einem Grundstück im Bereich des Barranco de Valle Gran Rey nahe dessen Mündung.
Nach der Bestätigung wurden Mückenfallen aufgestellt und Kontrollen in der Umgebung eingeleitet. Die Gemeinde wurde außerdem in die Reinigungs- und Bekämpfungsmaßnahmen einbezogen.
Wichtig: Die genannten Fundorte bedeuten nicht, dass die jeweiligen Gemeinden flächendeckend von invasiven Mücken betroffen sind. Die Nachweise beziehen sich auf konkrete Untersuchungsgebiete.
Was bedeutet das für Bewohner und Urlauber?
Für Menschen, die auf den Kanaren leben oder dort Urlaub machen, besteht zunächst kein Grund zur Panik.
Die nachgewiesenen Mückenarten können zwar Krankheiten wie Dengue, Zika oder Chikungunya übertragen. Dafür müssen die Mücken jedoch mit den entsprechenden Krankheitserregern infiziert sein.
Allein die Anwesenheit einer Tigermücke bedeutet deshalb nicht, dass eine dieser Krankheiten vor Ort übertragen wird.
Die Gesundheitsbehörden konzentrieren sich derzeit darauf, mögliche Brutstätten zu entdecken und eine dauerhafte Ansiedlung der invasiven Arten zu verhindern.
Für Urlauber in Mogán oder Valle Gran Rey bedeutet dies vor allem, auf Mückenstiche zu achten und einfache Schutzmaßnahmen zu beachten. Aus den genannten Nachweisen ergibt sich keine allgemeine Empfehlung, Reisen in diese Gebiete zu vermeiden.
Woran erkennt man eine Tigermücke?
Die Asiatische Tigermücke unterscheidet sich von vielen heimischen Mückenarten durch ihr Aussehen und Verhalten.
Typische Merkmale sind:
- Dunkler, nahezu schwarzer Körper mit auffälligen weißen Zeichnungen
- Weiß gestreifte Beine
- Vergleichsweise geringe Körpergröße
- Häufige Aktivität während des Tages
- Besonders viele Stiche am frühen Morgen und gegen Abend
Anders als viele gewöhnliche Stechmücken ist die Tigermücke nicht ausschließlich nachts aktiv.
Ihre Stiche können starken Juckreiz, Rötungen und ausgeprägte lokale Schwellungen verursachen.
Die ebenfalls nachgewiesene Art Aedes aegypti besitzt ähnliche dunkle und helle Zeichnungen. Eine sichere Unterscheidung der Arten ist für Laien nicht immer möglich.
Wie können sich Bewohner und Urlauber schützen?
Die kanarischen Gesundheitsbehörden empfehlen insbesondere, Mückenstiche zu vermeiden und mögliche Brutstätten zu beseitigen.
1. Stehendes Wasser vermeiden
Schon kleine Wasseransammlungen können als Brutstätte dienen.
Besonders kontrolliert werden sollten:
- Blumentopfuntersetzer auf Terrassen und Balkonen
- Eimer und Gießkannen im Garten
- Nicht abgedeckte Wasserbehälter
- Alte Reifen und andere Gegenstände, in denen sich Regenwasser sammelt
- Abflüsse und Bereiche mit dauerhaft stehendem Wasser
Wer ein Haus mit Garten oder eine Ferienwohnung mit Terrasse besitzt, sollte solche Stellen regelmäßig kontrollieren.
2. Mückenschutz verwenden
Bei Aufenthalten im Freien können geeignete Mückenschutzmittel helfen.
Das spanische Gesundheitsministerium empfiehlt zugelassene Repellents mit Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin. Die Anwendungshinweise auf der Verpackung sollten beachtet werden.
3. Haut bedecken
Lange, möglichst helle Kleidung kann das Risiko von Mückenstichen verringern.
Besonders sinnvoll ist dies in Bereichen mit vielen Mücken sowie während der frühen Morgenstunden und am Abend.
4. Fenster und Türen sichern
Fliegengitter an Fenstern und Türen können verhindern, dass Mücken in Wohnungen und Ferienunterkünfte gelangen.
Welche Symptome sollten ernst genommen werden?
Ein gewöhnlicher Mückenstich verursacht häufig Juckreiz, Rötungen oder eine örtliche Schwellung. Auch stärkere Hautreaktionen bedeuten nicht automatisch, dass eine Infektionskrankheit übertragen wurde.
Treten allerdings Fieber, starke Kopf- oder Gliederschmerzen, Hautausschlag oder ausgeprägte Gelenkschmerzen auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Das gilt besonders für Personen, die sich zuvor in einem Land aufgehalten haben, in dem Dengue, Zika oder Chikungunya verbreitet sind.
Beim Arztbesuch sollte unbedingt auf entsprechende Reisen hingewiesen werden.
Die Symptome allein erlauben keine sichere Diagnose einer durch Mücken übertragenen Erkrankung.
Verdächtige Mücken auf den Kanaren melden
Die kanarischen Gesundheitsbehörden bitten die Bevölkerung ausdrücklich um Mithilfe.
Wer eine verdächtige Mücke entdeckt oder ungewöhnlich starke Reaktionen auf Mückenstiche beobachtet, kann dies beim Überwachungssystem des kanarischen Gesundheitsdienstes melden.
Offizielle Meldestelle:
E-Mail: vectores.scs@gobiernodecanarias.org
Telefon Teneriffa: 922 474 920
Telefon Gran Canaria: 928 307 562
Bei einer Meldung sollten möglichst folgende Angaben übermittelt werden:
- Foto der verdächtigen Mücke oder der auffälligen Stichreaktion
- Genauer Fundort
- Zeitpunkt der Beobachtung
- Telefonnummer für mögliche Rückfragen
Die Meldungen helfen den Fachleuten, neue Vorkommen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Kontrollen einzuleiten.
Warum überwachen die Kanaren invasive Mücken?
Das entomologische Überwachungssystem der Kanarischen Inseln wurde 2013 eingerichtet.
Auslöser war unter anderem ein Dengue-Ausbruch auf der portugiesischen Insel Madeira im Jahr 2012.
Seitdem werden mögliche Einschleppungen invasiver Mückenarten systematisch untersucht.
Besonders wichtig ist die frühzeitige Erkennung. Werden einzelne Exemplare oder Larven entdeckt, können die Behörden Maßnahmen einleiten, bevor sich eine größere Population entwickelt.
Die aktuellen Nachweise in Mogán und Valle Gran Rey zeigen, wie wichtig dabei auch Hinweise aus der Bevölkerung sind.
Auch das West-Nil-Virus wird überwacht
Neben den invasiven Aedes-Mücken überwachen die kanarischen Gesundheitsbehörden auch das West-Nil-Virus.
Dieses Virus wird hauptsächlich durch andere Stechmückenarten übertragen, insbesondere durch Mücken der Gattung Culex.
Die Überwachung des West-Nil-Virus ist deshalb von den aktuellen Nachweisen der Tigermücke und der Art Aedes aegypti zu unterscheiden.
Nach den Angaben der Ausgangsmeldung wurden bislang keine menschlichen Übertragungsfälle auf den Kanaren gemeldet.
Unsere Einordnung: Vorsorge statt Verunsicherung
Die aktuellen Mückenfunde zeigen, dass die Kanarischen Inseln weiterhin mit der Einschleppung invasiver Arten rechnen müssen.
Für Bewohner und Urlauber ist dabei entscheidend, zwischen dem Nachweis einer Mückenart und der tatsächlichen Übertragung einer Krankheit zu unterscheiden.
Die jüngsten Funde bedeuten nicht, dass auf Gran Canaria oder La Gomera eine Epidemie ausgebrochen ist.
Gleichzeitig sollten die Nachweise ernst genommen werden. Gerade in Wohngebieten mit Gärten, Terrassen und Wasserbehältern können sich geeignete Brutstätten entwickeln.
Die wichtigste Maßnahme für Privatpersonen bleibt deshalb einfach: Stehendes Wasser vermeiden, Mückenstiche möglichst verhindern und ungewöhnliche Funde melden.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die frühzeitige Erkennung invasiver Mücken ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitsschutzes auf den Kanarischen Inseln ist.
Interessant sind auch unsere vorherigen Artikel zum Thema:
Tigermücke auch auf Gran Canaria entdeckt., Tigermücke auf La Gomera entdeckt: Was Bewohner und Urlauber jetzt wissen müssen.
Quelle: tenerifeweekly.com
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