Die Kanarischen Inseln verfügen über ein beeindruckendes öffentliches Wegenetz von mehr als 2.230 Kilometern, das sich durch die atemberaubenden Landschaften der Inseln zieht. Diese Pfade basieren auf alten indigenen Routen und Straßen, die nach der Eroberung entstanden. Sie sind nicht nur ein Teil des kulturellen Erbes, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle in der lokalen Wirtschaft. José Velázquez, einer der letzten Arrieros, erinnert sich lebhaft an seine Kindheit, als er mit einem Maultier von Tejeda nach La Aldea reiste, um Kartoffeln und Kohle zu transportieren. Sein Beruf ist fast vollständig verschwunden, doch die Tradition lebt in Form von Maultieren weiter, die für spezielle Arbeiten in abgelegenen ländlichen Gebieten vermietet werden. Diese alte Form des Transports ist nicht nur nostalgisch, sondern zeigt auch die praktische Bedeutung dieser Wege für die lokale Bevölkerung.
Die Wanderwege sind für Einheimische und Touristen gleichermaßen von Bedeutung. Sie bieten nicht nur Zugang zu spektakulären Ausblicken und unberührter Natur, sondern sind auch ein wichtiger Bestandteil des sanften Tourismus auf den Kanaren. Immer mehr Menschen, insbesondere Deutsche, die auf den Inseln leben oder sie besuchen, schätzen die Möglichkeiten zum Wandern und Erkunden der Natur. Die Pflege und Erhaltung dieser Wege ist daher nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Wanderer bringen nicht nur frisches Geld in die lokale Wirtschaft, sie fördern auch das Bewusstsein für die Schönheit und den Wert der Natur.
Dr. Claudio Moreno, Geografieprofessor an der Universität Las Palmas, beschäftigt sich intensiv mit dem Erbe der alten königlichen und historischen Wege. In seiner Dissertation hat er die Entwicklung der Landwege auf den Kanaren vom 16. bis 19. Jahrhundert untersucht. Moreno beschreibt die Wege als strukturelle Elemente des Territoriums, die das Leben, den Handel und die Mobilität der Menschen entscheidend beeinflussten. Diese Pfade sind nicht nur Verkehrsadern, sondern erzählen auch Geschichten über die gesellschaftliche Entwicklung und die Veränderungen der Landschaft im Laufe der Jahrhunderte. Für die deutschsprachigen Leser auf den Kanaren ist es wichtig zu verstehen, dass diese Wege ein lebendiges Zeugnis der Geschichte sind, das es zu bewahren gilt.
Insgesamt gibt es auf den Kanaren 357 öffentliche Wege, wobei Teneriffa mit 446 Kilometern die längste Strecke aufweist, gefolgt von Fuerteventura mit 422 Kilometern und Gran Canaria mit 354 Kilometern. Diese Zahlen stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden aus dem offiziellen Bulletin der Provinz Kanaren von 1868 entnommen. Moreno weist jedoch darauf hin, dass diese Inventare nur die wichtigsten Wege erfassten und viele weitere existieren, die für die Erhaltung des kulturellen Erbes von Bedeutung sind. Die Herausforderung, diese alten Wege zu erhalten und zu pflegen, beschäftigt sowohl die lokale Gemeinschaft als auch die Wissenschaft. Es ist eine gemeinsame Verantwortung, die über Generationen hinweg besteht und die auch die deutschsprachigen Bewohner und Besucher der Inseln betrifft. Sie alle können dazu beitragen, die Schönheit und den kulturellen Reichtum der Kanaren zu bewahren, indem sie diese historischen Pfade nutzen und ihre Geschichten weitererzählen.