In Spanien haben 75 % der Gastronomiebetriebe Schwierigkeiten, die benötigten Fachkräfte zu finden. Laut einer Studie der Personalberatung ManpowerGroup besteht ein strukturelles Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage in einem arbeitsintensiven Sektor, der durch hohe Fluktuation und saisonale Spitzen gekennzeichnet ist. 69 % der befragten Unternehmen geben an, „einige Schwierigkeiten“ bei der Rekrutierung zu haben, während 6 % von „großen Schwierigkeiten“ berichten. Diese Problematik ist nicht nur lokal, sondern zeigt sich auch international, wo 74 % der globalen und 76 % der europäischen Unternehmen im Gastgewerbe ähnliche Herausforderungen erleben.
Für die deutschsprachige Gemeinschaft auf den Kanaren hat diese Entwicklung direkte Auswirkungen. Viele der hier ansässigen Restaurants, Bars und Hotels sind auf qualifiziertes Personal angewiesen, um den hohen Ansprüchen ihrer internationalen Gäste gerecht zu werden. Die Kanaren, als beliebtes Urlaubsziel, erleben saisonale Schwankungen, die eine verlässliche Personaldecke erfordern. Während der Hochsaison im Sommer sind die Betriebe oft überlastet, und der Mangel an Fachkräften kann zu längeren Wartezeiten und einem Rückgang der Servicequalität führen. Dies könnte langfristig die Kundenzufriedenheit und das Image der Gastronomie auf den Inseln beeinträchtigen.
Die Studie hebt hervor, dass die Branche nicht nur mit einem Mangel an Kandidaten konfrontiert ist, sondern auch mit der Notwendigkeit, Fachkräfte mit spezifischen Soft Skills zu finden. 59 % der Unternehmen in Spanien identifizieren Professionalität und Arbeitsethik als die am häufigsten fehlenden Fähigkeiten. Weitere wichtige Defizite betreffen Anpassungsfähigkeit (50 %) sowie kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeiten (41 %). Diese Fähigkeiten sind entscheidend, um die Qualität des Service und die Kundenerfahrung zu gewährleisten. Für deutschsprachige Betriebe auf den Kanaren könnte das bedeuten, dass sie ihre Rekrutierungsstrategien überdenken müssen. Die Suche nach Personal könnte sich auf den gesamten europäischen Raum ausweiten, um geeignete Kandidaten mit den geforderten Soft Skills zu finden.
Zusätzlich wird festgestellt, dass ein Anstieg der Gehälter allein nicht ausreicht, um Talente zu gewinnen und zu halten. Die Unternehmen sind gefordert, umfassendere Wertangebote zu entwickeln, die berufliche Entwicklung, kontinuierliches Lernen und angepasste Arbeitsbedingungen berücksichtigen. Ein erheblicher Teil der Unternehmen (19 %) unternimmt jedoch keine Maßnahmen, um dem Talentmangel entgegenzuwirken, was die Situation mittelfristig verschärfen könnte. Diese Ignoranz könnte für viele Gastronomiebetriebe auf den Kanaren gefährlich sein, da der Wettbewerb um qualifiziertes Personal zunimmt.
Die Studie zeigt, dass die Herausforderungen im Gastgewerbe sowohl in Spanien als auch weltweit ein strukturelles Problem darstellen, das ein Umdenken in den Rekrutierungsstrategien erfordert. Für die deutschsprachige Gastronomie auf den Kanaren bedeutet dies, dass sie sich nicht nur auf lokale Talente verlassen kann, sondern auch auf innovative Ansätze setzen muss, um die besten Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu halten. Die Zukunft der Gastronomie auf den Kanaren könnte davon abhängen, wie gut es den Betrieben gelingt, diese Herausforderungen zu meistern und eine attraktive Arbeitsumgebung zu schaffen.