Weniger als ein Jahr vor den Autonomiewahlen auf den Kanarischen Inseln zeichnet eine neue Umfrage ein spannendes Bild der politischen Landschaft. Laut einer Erhebung von Sigma Dos für die spanische Zeitung El Mundo könnte die rechtspopulistische Partei Vox ihren Stimmenanteil deutlich steigern und erstmals bis zu acht Sitze im kanarischen Parlament gewinnen. Das wäre eine Verdopplung gegenüber der aktuellen Anzahl von drei Abgeordneten, nachdem Marta Gómez ihr Mandat als fraktionsloser Abgeordneter verloren hatte.
Die Sozialistische Partei Spaniens (PSOE) bleibt weiterhin stärkste Kraft, verliert aber leicht und kommt auf 22 bis 23 Sitze bei einem geschätzten Stimmenanteil von 25,9 Prozent, nach 27,7 Prozent in der letzten Wahl. Die Coalición Canaria (CC) hält sich stabil mit 19 bis 20 Sitzen, obwohl sie minimal an Stimmen einbüßt und nun auf etwa 21,3 Prozent kommt. Der Partido Popular (PP) muss mit einem Rückgang von 15 auf 13 bis 14 Sitze rechnen, was mit einem Stimmenanteil von rund 17,7 Prozent einhergeht.
Die Umfrage zeigt zudem, dass die linksgerichtete Nueva Canarias-Bloque Canarista (NC) durch eine Abspaltung von Gründern der kommunalen Partei Primero Canarias, die als CC-nah gilt, einen deutlichen Verlust hinnehmen muss. Von fünf Sitzen könnte NC auf nur noch ein bis zwei Mandate schrumpfen, bei einem Stimmenanteil von etwa fünf Prozent. Die regionalen Kleinparteien Asamblea Socialista Gomera (ASG) und Agrupación Herreña Independiente (AHI) dürften ihre Sitze halten: ASG mit drei Mandaten, AHI mit einem.
Die Mehrheit im kanarischen Parlament liegt bei 36 Sitzen. Mit dem derzeitigen Stimmungsbild könnte Fernando Clavijo von der Coalición Canaria erneut versuchen, Präsident der Regierung der Kanaren zu werden. Dabei könnte er auf eine Koalition mit Manuel Domínguez vom Partido Popular setzen, sofern die politischen Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene dies zulassen. Die Kandidatur Clavijos soll offiziell am 3. Oktober bestätigt werden, während die des amtierenden Minister für territoriale Politik, Ángel Víctor Torres (PSOE), noch offen ist.
Die politische Situation auf den Kanaren ist von mehreren aktuellen Herausforderungen geprägt, die auch den Wahlkampf beeinflussen werden. Die Bewältigung der Gesundheitskrise durch den Hantavirus-Ausbruch, der mit dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius in Verbindung steht, hat die öffentliche Aufmerksamkeit stark beansprucht. Zudem steht die Migrationspolitik im Fokus, insbesondere im Zuge der anstehenden vollständigen Umsetzung des Europäischen Pakts für Migration und Asyl am 12. Juni. Spannungen zwischen den Inseln Gran Canaria und Teneriffa in Bezug auf die Agenda León XIV spielen ebenfalls eine Rolle.
Darüber hinaus dürften nationale politische Themen wie die Einhaltung des Regierungsbündnisses von Pedro Sánchez und die Verteilung von Kompetenzen zwischen Zentralregierung und Kanaren in den Wahlkampf einfließen. Die Parteien bereiten sich auf eine intensive Auseinandersetzung vor, die von einer stärkeren Polarisierung geprägt sein könnte als in früheren Wahlkämpfen. Für Bewohner, Urlauber und Auswanderer auf den Kanaren bedeutet dies, dass sich die politische Landschaft in den kommenden Monaten deutlich verändern könnte, was Auswirkungen auf die regionale Politik und die Verwaltung der Inseln hat.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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