Die Immobilienpreise auf den Kanarischen Inseln haben sich in den letzten Jahren zu einem ernsten Problem für Einheimische entwickelt. Immer mehr Menschen auf den Inseln finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum, während Luxusimmobilien zu Preisen von mehreren Millionen Euro angeboten werden. Diese Entwicklung spitzt sich gerade für die kanarische Bevölkerung zu, die sich einfache Wohnungen oder Häuser kaum mehr leisten kann.
Im Jahr 2020 hatte ein Interessent bereits versucht, ein Projekt zum Erwerb einer bescheidenen Immobilie auf den Kanaren zu starten. Doch damals war der Immobilienmarkt stark überteuert. Die besichtigten Objekte reichten von schlecht instand gehaltenen Höhlenwohnungen, die mehr als 70.000 Euro kosteten, bis hin zu völlig zerstörten Häusern, deren Preise über 100.000 Euro lagen. Selbst das vermeintlich günstigste Objekt für 65.000 Euro musste er letztlich ablehnen, da es illegal errichtete Anbauten auf geschütztem Naturgebiet gab und die Immobilie zum Abriss vorgesehen war.
Sechs Jahre später startet der gleiche Interessent einen neuen Versuch. Er sucht eine einfache, kleine Immobilie mit rund 40 Quadratmetern Wohnfläche und etwas Land, um sich teilweise selbst versorgen zu können, beispielsweise mit Obstbäumen und Gemüseanbau. Doch auch heute zeigt sich das Angebot auf den gängigen Immobilienportalen kaum erschwinglich für normale Einkommen. Die Immobilienpreise liegen weit über den Möglichkeiten vieler Kanaren, die keine großen Flächen benötigen, sondern vor allem bezahlbaren Wohnraum und ein Stück Land für Eigenversorgung.
Die Statistik verdeutlicht die Schieflage: Auf einem großen spanischen Immobilienportal sind aktuell fast 1.800 Häuser auf den Kanaren für über eine Million Euro zum Verkauf gelistet. Die teuerste Immobilie auf Teneriffa kostet rund 15 Millionen Euro, auf Gran Canaria eine weitere für 12 Millionen Euro. Insgesamt gibt es auf den Inseln fast 4.000 Objekte im Preissegment zwischen 500.000 und einer Million Euro. Diese Zahlen zeigen, wie sehr der Markt von Luxusimmobilien geprägt ist, die sich nur eine sehr exklusive Gesellschaftsschicht leisten kann.
Die Gründe dafür liegen auch in der begrenzten Fläche des Archipels. Große Teile der Inseln sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen oder für den Tourismus reserviert. Das verfügbare Bauland ist knapp, was die Preise weiter in die Höhe treibt. Im Vergleich zur iberischen Halbinsel erscheinen die Preise für kleine und einfache Häuser auf den Kanaren überhöht: Dort bekommt man für einen ähnlichen Betrag oft eine deutlich größere Immobilie mit mehr Land und besserer Anbindung an städtische Zentren.
Der Verfasser des Berichts macht die kanarische Gesellschaft mitverantwortlich für diese Entwicklung. Es sei nicht nur die Nachfrage von außen, sondern auch die Gier und Gleichgültigkeit vieler Einheimischer, die Grundstücke und Häuser zu überhöhten Preisen verkaufen oder nicht gegen die Preissteigerungen einschreiten. Die Folge ist, dass viele Kanaren in beengten Verhältnissen leben, oft in kleinen Wohnungen am Stadtrand, und sich mit prekären Jobs im Tourismus über Wasser halten müssen.
Für Urlauber und Auswanderer auf den Kanaren bedeutet diese Entwicklung vor allem, dass der Wohnungsmarkt angespannt bleibt. Wer dauerhaft auf den Inseln leben möchte, sollte sich frühzeitig mit der Suche nach bezahlbarem Wohnraum beschäftigen. Für die lokale Bevölkerung bleibt die Herausforderung groß, bezahlbaren Wohnraum und eine Lebensqualität zu erhalten, die dem Charakter und den Bedürfnissen der Kanarischen Inseln gerecht wird. Die Politik steht vor der Aufgabe, Lösungen zu finden, die den Immobilienmarkt regulieren und den Druck auf Einheimische mindern.
Insgesamt zeichnet sich ab, dass der kanarische Immobilienmarkt weiterhin stark segmentiert bleibt: Luxus und Exklusivität auf der einen Seite, Wohnungsnot und finanzielle Belastung auf der anderen. Die Kanarischen Inseln müssen Wege finden, diese Kluft zu überwinden und eine nachhaltige Wohnraumversorgung für alle Bewohner sicherzustellen.
Quelle: eldiario.es
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