Die Verbraucherpreise auf den Kanarischen Inseln sind im September 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,4 Prozent gestiegen. Besonders stark fällt die Verteuerung bei Kraftstoffen aus: Innerhalb eines Jahres erhöhten sich die Preise laut den veröffentlichten Inflationsdaten um 35 Prozent. Das belastet nicht nur Autofahrer, sondern auch Transportunternehmen, Gewerbebetriebe und private Haushalte.
Die Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife warnt vor weiteren wirtschaftlichen Folgen. Steigende Energie- und Transportkosten könnten die Kaufkraft der Bevölkerung und die Betriebskosten der Unternehmen auch in den kommenden Monaten unter Druck setzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Inflation auf den Kanaren: 4,4 Prozent im September 2026 gegenüber September 2025.
- Spanienweiter Durchschnitt: 4,9 Prozent.
- Kraftstoffpreise: 35 Prozent höher als vor einem Jahr, gegenüber 27,7 Prozent im spanischen Durchschnitt.
- Diesel: Eine Tankfüllung kann bei den berichteten Preisen rund 100 Euro kosten.
- Lebensmittel: Eier, Obst, Rindfleisch und Kartoffeln sind gegenüber dem Vorjahr deutlich teurer.
- Monatsvergleich: Das allgemeine Preisniveau auf den Kanaren blieb gegenüber August unverändert.
- Seit Jahresbeginn: Die Verbraucherpreise stiegen um 2,6 Prozent.
Kraftstoffe verteuern sich auf den Kanaren besonders stark
Der Anstieg der Kraftstoffpreise ist einer der auffälligsten Bestandteile der aktuellen Preisentwicklung.
Innerhalb eines Jahres verteuerten sich Kraftstoffe auf den Kanarischen Inseln nach den veröffentlichten Angaben um 35 Prozent. Im spanischen Durchschnitt lag der Anstieg bei 27,7 Prozent.
Damit fällt die Preissteigerung auf dem Archipel deutlich stärker aus als landesweit.
Besonders betroffen sind Menschen, die täglich auf ein Auto angewiesen sind. Dazu gehören Berufspendler, Beschäftigte mit wechselnden Einsatzorten sowie Einwohner ländlicher Gebiete mit begrenzten öffentlichen Verkehrsverbindungen.
Die Kosten hängen allerdings von der Kraftstoffart, der Tankstelle und der Größe des Fahrzeugtanks ab. Die in der Berichterstattung genannten 100 Euro für eine Diesel-Tankfüllung sind deshalb ein Beispiel und kein allgemeingültiger Betrag.
Was bedeutet das für die Kosten einer Tankfüllung?
Ein Preisanstieg um 35 Prozent macht sich auch bei kleineren Tankmengen deutlich bemerkbar.
Die folgende Berechnung zeigt, wie sich die Kosten bei unveränderter Tankmenge entwickeln würden, wenn Kraftstoff gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent teurer ist.
| Tankkosten vor einem Jahr | Bei 35 % Preisanstieg | Mehrkosten |
|---|---|---|
| 40 € | 54 € | 14 € |
| 60 € | 81 € | 21 € |
| 80 € | 108 € | 28 € |
| 100 € | 135 € | 35 € |
Dabei handelt es sich um Rechenbeispiele und nicht um tatsächlich erhobene Tankstellenpreise.
Wer beispielsweise viermal im Monat für früher jeweils 60 Euro tankte, würde bei einem Anstieg um 35 Prozent nun insgesamt 324 statt 240 Euro ausgeben. Das entspricht monatlichen Mehrkosten von 84 Euro.
Warum steigen dadurch auch die Kosten für Unternehmen?
Die Verteuerung von Kraftstoffen betrifft nicht nur private Autofahrer.
Auf den Kanarischen Inseln sind zahlreiche Wirtschaftszweige auf Transporte angewiesen. Dazu gehören der Lebensmittelhandel, das Baugewerbe, Handwerksbetriebe, Lieferdienste und Unternehmen im Tourismus.
Höhere Kraftstoffkosten können sich unmittelbar auf die Ausgaben für Fahrzeuge und Transporte auswirken.
Hinzu kommen indirekte Belastungen, wenn Lieferanten oder Dienstleister ihre gestiegenen Kosten weitergeben.
Nach den veröffentlichten Daten verteuerten sich Energieprodukte im Jahresvergleich um 24,2 Prozent. Bei industriellen Gütern wurde ein Anstieg um 7,9 Prozent verzeichnet.
Besonders stark stiegen die Preise nicht langlebiger Industriegüter mit 13,8 Prozent.
Handelskammer warnt vor Belastungen für Familien und Betriebe
Santiago Sesé, Präsident der Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife, sieht die steigenden Energie- und Kraftstoffpreise als einen wesentlichen Treiber des Inflationsdrucks.
Nach seiner Einschätzung wirken sich höhere Transportkosten auf zahlreiche wirtschaftliche Aktivitäten aus und schränken gleichzeitig die Kaufkraft der privaten Haushalte ein.
Die Handelskammer fordert deshalb stabile Energiepreise, um die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen und Verbraucher zu begrenzen.
Ob und wie stark Unternehmen ihre Mehrkosten an Kunden weitergeben, hängt allerdings von ihrer Kostenstruktur, dem Wettbewerb und der weiteren Preisentwicklung ab.
Lebensmittel: Was ist gegenüber dem Vorjahr teurer geworden?
Obwohl viele Lebensmittel im September gegenüber August etwas günstiger wurden, liegen die Preise zahlreicher Produkte weiterhin über dem Vorjahresniveau.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Eiern, Obst, Fleisch und Kartoffeln.
| Lebensmittel | Veränderung gegenüber September 2025 |
|---|---|
| Eier | +10,0 % |
| Frisches Obst | +8,4 % |
| Rindfleisch | +8,0 % |
| Kartoffeln | +7,7 % |
| Frischer und gefrorener Fisch | +4,9 % |
| Hülsenfrüchte und frisches Gemüse | +4,5 % |
| Schweinefleisch | −0,5 % |
| Brot | −0,7 % |
| Kaffee und Kakao | −4,8 % |
Die Zahlen verdeutlichen, warum sich viele Haushalte trotz einzelner Preisrückgänge beim Einkauf weiterhin belastet fühlen können.
Ein Produkt kann beispielsweise im September etwas günstiger gewesen sein als im August und trotzdem deutlich mehr kosten als im September des Vorjahres.
Warum liegt die Inflation auf den Kanaren unter dem spanischen Durchschnitt?
Mit 4,4 Prozent lag die jährliche Inflationsrate auf den Kanarischen Inseln im September unter dem spanischen Durchschnitt von 4,9 Prozent.
Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Produkte auf den Kanaren günstiger geworden sind oder weniger stark im Preis steigen.
Der Verbraucherpreisindex bildet einen Warenkorb aus unterschiedlichen Gütern und Dienstleistungen ab. Die einzelnen Produktgruppen werden entsprechend ihrem Anteil an den Verbrauchsausgaben gewichtet.
Starke Preisanstiege bei Kraftstoffen können daher gleichzeitig mit einer niedrigeren allgemeinen Inflationsrate als im übrigen Spanien auftreten.
Die kanarische Inflationsrate erreichte nach den veröffentlichten Angaben den höchsten Stand seit Mai 2023.
Gegenüber August blieb das allgemeine Preisniveau im September unverändert. Seit Beginn des Jahres 2026 beträgt der Anstieg 2,6 Prozent.
Kleidung und Transport ebenfalls deutlich teurer
Außerhalb des Lebensmittelbereichs fielen im September besonders die Preise für Kleidung und Schuhe auf.
Gegenüber August stiegen sie um 10 Prozent. Als wesentlicher Grund wird der Wechsel von den Sommerschlussverkäufen zur neuen Herbst- und Wintersaison genannt.
Im Jahresvergleich verteuerten sich Kleidung und Schuhe um 5,5 Prozent.
Auch der Bereich Transport verzeichnete im September einen deutlichen Preisanstieg. Nach den veröffentlichten Angaben lag die Veränderung bei 10 Prozent.
Für die Interpretation ist wichtig, zwischen monatlichen und jährlichen Preisveränderungen zu unterscheiden. Beide Werte beschreiben unterschiedliche Zeiträume und sind nicht direkt miteinander vergleichbar.
Was können Verbraucher jetzt tun?
Die Entwicklung der Kraftstoffpreise lässt sich von einzelnen Haushalten kaum beeinflussen. Dennoch können Autofahrer ihre Ausgaben zumindest teilweise begrenzen.
Ein Vergleich der Tankstellenpreise kann sich besonders für Menschen lohnen, die regelmäßig größere Strecken fahren.
Die spanische Regierung stellt mit dem Geoportal für Tankstellen eine offizielle Übersicht aktueller Kraftstoffpreise zur Verfügung.
Offizielle Kraftstoffpreise in Spanien vergleichen
Dort lassen sich Tankstellen nach Standort und Kraftstoffart suchen.
Für Haushalte ist außerdem sinnvoll, bei den laufenden Ausgaben zwischen vorübergehenden Preisschwankungen und dauerhaften Mehrkosten zu unterscheiden.
Unsere Einordnung: Die Belastung geht über die Tankstelle hinaus
Die aktuellen Inflationsdaten zeigen eine unterschiedliche Preisentwicklung auf den Kanarischen Inseln.
Während die allgemeine Inflationsrate mit 4,4 Prozent unter dem spanischen Durchschnitt liegt, steigen die Kraftstoffpreise besonders stark.
Für Haushalte, die regelmäßig auf das Auto angewiesen sind, kann die persönliche Kostensteigerung deshalb deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegen.
Hinzu kommt, dass die Verteuerung von Transport und Energie auch Unternehmen trifft, deren Leistungen wiederum von privaten Haushalten nachgefragt werden.
Die im September gesunkenen Preise einiger Lebensmittel bieten zwar eine gewisse Entlastung gegenüber August. Im Vergleich zum Vorjahr bleiben jedoch mehrere Grundnahrungsmittel deutlich teurer.
Entscheidend für die kommenden Monate wird sein, ob sich die Kraftstoffpreise stabilisieren und in welchem Umfang die gestiegenen Betriebskosten auf andere Waren und Dienstleistungen übertragen werden.
Quelle: Diario de Avisos, Oktober 2026, auf Grundlage der September-Inflationsdaten und der Stellungnahme der Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife.
Zum Originalartikel von Diario de Avisos
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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