Die Fluggesellschaft Ryanair warnt vor erheblichen Wartezeiten an 16 großen europäischen Flughäfen in diesem Sommer, darunter die Flughäfen Tenerife Süd und Lanzarote auf den Kanaren. Grund dafür sind Probleme mit dem neuen EU-Ein- und Ausreisesystem (EES), das biometrische Kontrollen bei der Einreise von Drittstaatsangehörigen und britischen Reisenden vorsieht. Insbesondere Touristen aus Großbritannien, der wichtigsten Besuchergruppe der Kanaren, müssen mit Verzögerungen von bis zu sechs Stunden rechnen.
Die betroffenen Flughäfen umfassen neben den Kanaren auch weitere spanische Flughäfen wie Palma de Mallorca, Alicante, Málaga und Madrid sowie Flughäfen in Italien, Frankreich, Portugal, Polen, Ungarn und Deutschland. Das EES-System wurde ab Oktober 2023 zunächst vorläufig eingeführt und seit April 2024 verstärkt angewandt. Es erfasst biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Gesichtsscans bei der ersten Einreise in den Schengen-Raum, was die Grenzkontrollen deutlich verlängert.
Ryanair kritisiert die EU-Behörden offen für die mangelhafte Umsetzung des Systems. Der Leiter für operative Abläufe bei Ryanair, Neal McMahon, bezeichnete die Situation als nicht akzeptabel und forderte eine Aussetzung der strengen biometrischen Kontrollen während der Hauptsaison. Technische Probleme bei den Kontrollgeräten sowie Personalmangel sorgen für erhebliche Verzögerungen und Unzufriedenheit bei den Reisenden.
Die Fluggesellschaften Ryanair und Jet2 haben gemeinsam eine formelle Bitte an die EU gestellt, die Anwendung des EES bis zum Ende der Sommersaison zu lockern. Zudem wurde bekannt, dass das geplante ETIAS-System, das eine elektronische Reisegenehmigung mit Gebühr für britische Reisende vorsieht, auf 2027 verschoben wird. Diese Entscheidung ist eine Folge der technischen Schwierigkeiten des EES und der unzureichenden personellen Ausstattung der Grenzkontrollen.
Für die Kanaren, deren Wirtschaft stark vom britischen Tourismus abhängt, birgt die Situation Risiken. Lange Wartezeiten an den Flughäfen könnten die Attraktivität der Inseln als Reiseziel beeinträchtigen und negative wirtschaftliche Folgen für die Tourismusbranche mit sich bringen. Die vorgeschlagene Verlängerung der Flexibilitätsregelungen bis Anfang 2027 soll den Behörden mehr Zeit geben, technische Mängel zu beheben und Personal einzustellen.
Urlauber aus Großbritannien sollten sich auf verlängerte Wartezeiten einstellen und ihre Reise entsprechend planen. Die Entwicklung bleibt im Fokus, da die EU und die Flughäfen Lösungen finden müssen, bevor die Hochsaison ihren Höhepunkt erreicht und die Reiseströme weiter zunehmen.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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