San Sebastián de La Gomera wartet weiter auf eine moderne, barrierefreie Bibliothek. Trotz einer Investition von über 225.000 Euro aus öffentlichen Mitteln sind die Bauarbeiten für das neue kommunale Bibliotheksgebäude seit Jahren nicht abgeschlossen. Die lokale Politikerin Luz Marina Medina Martín von Iniciativa por La Gomera (IxLG) kritisiert die anhaltende Verzögerung und die fehlende Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität scharf.
Die derzeitige Bibliothek in San Sebastián de La Gomera ist nicht für alle Bürger uneingeschränkt zugänglich. Dies widerspricht dem Grundsatz der universellen Barrierefreiheit, der für alle öffentlichen Einrichtungen gelten muss. Medina bezeichnet es als untragbar, dass im Jahr 2026 ein so grundlegender Service wie die Bibliothek weiterhin nicht alle Menschen gleichberechtigt erreichen kann. Kultur, Bildung und Zugang zu Wissen sind Rechte, die unabhängig von körperlichen Einschränkungen gewährleistet sein müssen.
Bereits 2023 wurden 169.000 Euro aus dem Plan Insular de Cooperación des Cabildo Insular de La Gomera für die Anpassung eines neuen Bibliotheksgebäudes bereitgestellt. Zusätzlich wurden 56.000 Euro für die Ausstattung mit Möbeln und Technik investiert. Doch drei Jahre nach der Finanzierungszusage sind die Bauarbeiten weder fertiggestellt noch vom Rathaus offiziell abgenommen. Die Öffentlichkeit erhält keine klaren Informationen zum Stand der Arbeiten oder zu den Gründen für die Verzögerungen.
Die Summe von über 225.000 Euro öffentlicher Gelder steht damit einer nicht nutzbaren, unvollendeten Bibliothek gegenüber. Medina fordert Transparenz: Die Einwohner von San Sebastián de La Gomera haben das Recht zu erfahren, was mit dem Projekt passiert ist, wie der aktuelle Stand ist und wann mit der Eröffnung zu rechnen ist. Die Kritik richtet sich dabei insbesondere gegen die lokale Regierungskoalition ASG-CC, die für die mangelhafte Projektsteuerung verantwortlich gemacht wird.
Zusätzlich weist die IxLG-Politikerin auf ein weiteres kulturpolitisches Problem hin: Die Casa Bencomo im historischen Zentrum von San Sebastián. Dieses Gebäude wurde vor etwa 20 Jahren mit über einer Million Euro aus eigenen und staatlichen Kulturgeldern saniert. Ursprünglich sollte es als Inselbibliothek dienen und so eine kulturelle Referenz für La Gomera werden. Stattdessen wird das Gebäude seit rund zehn Jahren als Touristeninformationsbüro und für eine Dauerausstellung zur traditionellen Steinverarbeitung genutzt.
Diese beiden Beispiele, so Medina, offenbaren die fehlende strategische Planung und Koordination in der Kultur- und Bibliothekspolitik der Inselregierung. Einerseits bleibt die kommunale Bibliothek unzugänglich und unvollendet, andererseits wird eine aufwändig sanierte Immobilie nicht für die ursprünglich geplante kulturelle Nutzung eingesetzt. Die Folge ist eine unzureichende Infrastruktur für die Bevölkerung und Besucher der Insel.
Die Iniciativa por La Gomera fordert die Rathauskoalition auf, endlich öffentlich Auskunft über den Baufortschritt der neuen Bibliothek zu geben. Zudem sollen verbindliche Termine für die Fertigstellung und Eröffnung genannt werden. Vor allem müsse sofort sichergestellt werden, dass alle Bibliotheksangebote für Menschen mit Behinderungen zugänglich sind. Die Bürger der Insel haben Anspruch auf eine moderne, barrierefreie und funktionale Bibliothek, die den finanziellen Aufwand rechtfertigt und den kulturellen Bedürfnissen gerecht wird.
Bis dahin bleibt der Zugang zu kultureller Bildung auf La Gomera eingeschränkt und die Investitionen in die Infrastruktur unvollendet. Für Einwohner, Urlauber und Auswanderer auf den Kanaren ist eine funktionierende Bibliothek ein wichtiger Baustein für das gesellschaftliche Leben und die Integration. Die anhaltenden Verzögerungen und fehlende Transparenz erschweren diesen Zugang und werfen Fragen zur verantwortlichen Verwaltung öffentlicher Gelder auf.
Quelle: gomeratoday.com
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