Auf den Kanarischen Inseln nutzen täglich durchschnittlich rund 367.000 Touristen öffentliche Dienstleistungen – eine Belastung, die im spanischen System der autonomen Finanzierung (SFA) nicht berücksichtigt wird. Diese sogenannte „fluktuierende Bevölkerung“ ist seit 2010 um etwa 51 Prozent gewachsen, während die Zahl der ansässigen Einwohner im gleichen Zeitraum nur um rund 4 Prozent auf etwa 2,2 Millionen gestiegen ist. Die tatsächliche Belastung der Infrastruktur und öffentlichen Dienste liegt damit deutlich höher als die Zahl der offiziell veranschlagten Bevölkerung.
Das Finanzierungssystem verteilt die Mittel nach der sogenannten „angepassten Bevölkerung“, die ausschließlich auf der ansässigen Bevölkerung basiert und Faktoren wie Altersstruktur, Fläche und Insellage berücksichtigt. Touristen, die insbesondere in der Hochsaison die Infrastruktur zusätzlich beanspruchen, werden dabei nicht eingerechnet. Konkret bedeutet das: Während die Kanaren 2023 offiziell für 2,2 Millionen Einwohner finanzielle Mittel in Höhe von rund 6,3 Milliarden Euro erhielten, entspricht das einem Pro-Kopf-Betrag von etwa 2.854 Euro. Rechnet man jedoch die touristische Bevölkerung hinzu, reduziert sich die Finanzierung auf 2.551 Euro pro tatsächlich anwesender Person – ein Rückgang von mehr als zehn Prozent.
Der Vergleich mit anderen stark touristisch geprägten Regionen Spaniens wie den Balearen zeigt eine ähnliche Problematik, dort fällt die Anpassung der Finanzierung pro effektiver Person sogar noch deutlicher aus. Im Gegensatz zu Festlandregionen wie Katalonien, Valencia oder Andalusien sind die Inselgruppen Kanaren und Balearen damit Sonderfälle, bei denen die touristische Belastung die Finanzierung deutlich übersteigt.
Eine Besonderheit der Kanaren ist ihr eigenes Steuersystem mit dem IGIC im Rahmen des Régimen Económico y Fiscal (REF). Die Einnahmen aus diesem System fließen nicht in das allgemeine Finanzierungssystem ein und sind vom spanischen Finanzministerium unberührt. Das schützt die regionale Finanzautonomie, bedeutet aber auch, dass die durch Tourismus gesteigerte Steuerbasis nicht direkt zur Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen herangezogen wird, die von der größeren effektiven Bevölkerung genutzt werden.
Diese Diskrepanz hat erhebliche Auswirkungen auf die Qualität und Verfügbarkeit öffentlicher Dienstleistungen auf den Kanaren. Die Unterbewertung der tatsächlichen Nutzerzahlen kann zu einer Unterfinanzierung führen, was wiederum den Alltag der Bewohner und auch die Zufriedenheit der Urlauber beeinflusst. Die kanarische Regierung fordert deshalb, die touristische Bevölkerung bei der Mittelverteilung stärker zu berücksichtigen, um den realen Bedürfnissen der Region gerecht zu werden.
Künftige Anpassungen im System der autonomen Finanzierung könnten darauf abzielen, die tatsächliche Nutzung öffentlicher Dienstleistungen durch Touristen zumindest teilweise zu erfassen. Da das derzeitige Modell auf der ansässigen Bevölkerung basiert und gesetzlich verankert ist, wird jedoch eine grundlegende Reform notwendig sein, um die finanziellen Mittel an die demografische Realität mit hohem touristischem Aufkommen anzupassen. Für Bewohner und Besucher der Kanaren bleibt daher abzuwarten, ob und wann diese Veränderungen umgesetzt werden und wie sich dies konkret auf die öffentliche Infrastruktur und die Servicequalität auswirkt.
Quelle: laprovincia.es
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