Binter hält trotz steigender Treibstoffkosten an Flugverbindungen fest
Die kanarische Fluggesellschaft Binter will trotz steigender Treibstoffkosten und wirtschaftlicher Unsicherheiten vorerst weder Flugziele streichen noch Verbindungen reduzieren. Das erklärte Santiago Guerra, Generalkoordinator der Airline, am 27. Oktober 2026 bei einer Veranstaltung von Europa Press auf Gran Canaria. Gleichzeitig investiert Binter in neun zusätzliche Flugzeuge und setzt ihre Expansion auf dem spanischen Festland fort. Probleme sieht das Unternehmen vor allem bei überlasteten Flughäfen und deren Verkehrsanbindung.
Das Wichtigste in Kürze
- Flugverbindungen: Binter plant derzeit keine Streichungen von Zielen oder Flugfrequenzen.
- Treibstoffkosten: Steigende Kerosinpreise und internationale Konflikte belasten die Fluggesellschaft.
- Flottenausbau: Neun zusätzliche Embraer E195-E2 für 510 Millionen US-Dollar bestellt.
- Auslieferung: Die neuen Flugzeuge sollen ab 2027 schrittweise eintreffen.
- Inselverkehr: Nach Unternehmensangaben täglich 244 innerkanarische Flüge mit rund 18.000 Sitzplätzen.
- Flughäfen: Binter fordert bessere Zeitplanung und Verkehrsanbindungen.
- Ausbildung: 82 angehende Flugzeugwartungstechniker werden derzeit ausgebildet.
Binter will Flugangebot trotz höherer Kosten beibehalten
Die steigenden Treibstoffpreise setzen die Luftfahrtbranche unter Druck. Auch Binter Canarias spürt die Auswirkungen.
Santiago Guerra, Generalkoordinator der Fluggesellschaft, erklärte bei der Veranstaltung „Canarias Hacia el Futuro“ von Europa Press, dass internationale Konflikte und die Entwicklung der Ölpreise die Betriebskosten deutlich erhöhten.
Neben den Treibstoffkosten belasten auch Inflation und allgemeine Preissteigerungen die Branche.
Dennoch sieht Binter derzeit keinen Anlass, bestehende Flugziele aufzugeben oder die Zahl der Verbindungen zu reduzieren.
Nach Angaben von Guerra bleibt die Nachfrage nach Flugreisen stabil.
Die Aussage beschreibt die aktuelle Unternehmensplanung. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche Flugpläne langfristig unverändert bleiben.
244 Flüge täglich zwischen den Kanarischen Inseln
Für die Bewohner der Kanaren sind die innerkanarischen Flugverbindungen besonders wichtig.
Sie ermöglichen Reisen zwischen den Inseln, etwa für berufliche Termine, Arztbesuche, Ausbildung oder Familienbesuche.
Binter bietet nach Angaben des Unternehmens täglich rund 244 innerkanarische Flüge mit insgesamt etwa 18.000 Sitzplätzen an.
Besonders stark frequentiert ist die Verbindung zwischen Teneriffa und Gran Canaria.
Guerra bezeichnete diese Strecke als einen der bedeutendsten Flugkorridore Spaniens und verwies darauf, dass das Angebot den Luftverkehr zwischen Madrid und Barcelona übertreffe.
Die genannten Zahlen beziehen sich auf das von Binter dargestellte tägliche Flugangebot. Sie sind keine Garantie dafür, dass an jedem einzelnen Tag genau dieselbe Zahl an Flügen stattfindet.
Neun neue Embraer-Flugzeuge für 510 Millionen Dollar
Trotz des wirtschaftlichen Drucks investiert Binter weiter in ihre Flotte.
Die Fluggesellschaft hat Anfang Oktober eine Finanzierung über 510 Millionen US-Dollar für neun zusätzliche Flugzeuge des Typs Embraer E195-E2 abgeschlossen.
An der Finanzierung beteiligen sich Santander, CaixaBank und BBVA.
Die neuen Maschinen sollen ab 2027 schrittweise ausgeliefert werden.
Der Embraer E195-E2 verfügt in der Konfiguration von Binter über 132 Sitzplätze.
Die Flugzeuge sind insbesondere für längere Verbindungen zwischen den Kanarischen Inseln und Zielen auf dem spanischen Festland geeignet.
Mit den neun zusätzlichen Maschinen soll die Zahl der Embraer E195-E2 in der Flotte auf 25 steigen.
Aktuell verfügt Binter nach Angaben von Guerra über 26 ATR-Turbopropflugzeuge und 16 Embraer-Jets.
Die ATR-Maschinen werden vor allem auf kürzeren Strecken eingesetzt, während die Embraer-Jets längere Verbindungen bedienen.
Weitere Expansion auf dem spanischen Festland
Binter sieht zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten insbesondere auf dem spanischen Festland.
Das Unternehmen hat sein Streckennetz in den vergangenen Jahren über die traditionellen Verbindungen zwischen den Kanarischen Inseln hinaus erweitert.
Guerra verwies dabei auf die Entwicklung am Flughafen Madrid.
Dort unterhält Binter inzwischen eine eigene Basis mit Bodenabfertigung und Wartungspersonal.
Die Fluggesellschaft möchte ihr Servicemodell auch außerhalb der Kanaren anbieten und sich damit gegenüber klassischen Billigfluggesellschaften positionieren.
Welche zusätzlichen Strecken künftig eröffnet werden könnten, nannte Guerra bei der Veranstaltung nicht.
Aus der Bestellung der neun Flugzeuge lässt sich deshalb noch kein konkreter neuer Flugplan ableiten.
Binter kritisiert Überlastung der kanarischen Flughäfen
Neben den steigenden Kosten sieht Binter ein weiteres Problem in der Auslastung der Flughäfen.
Guerra kritisierte, dass sich zahlreiche Abflüge auf bestimmte Tageszeiten konzentrieren.
Wenn beispielsweise früh am Morgen mehrere Flugzeuge nahezu gleichzeitig starten sollen, können bereits zu Tagesbeginn Verzögerungen entstehen.
Solche Verspätungen wirken sich unter Umständen auf nachfolgende Flüge aus.
Binter fordert deshalb eine bessere Abstimmung der Flugzeiten und entsprechende Investitionen in die Flughafeninfrastruktur.
Die Airline unterstützt grundsätzlich eine stärkere Beteiligung der Kanaren an der Flughafenverwaltung.
Gleichzeitig betonte Guerra die Bedeutung des gemeinsamen spanischen Flughafennetzes von Aena für die Koordination des Luftverkehrs.
Auch die Zufahrten zu den Flughäfen sind ein Problem
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Straßenverbindungen zu den Flughäfen.
Guerra bezeichnete einige Zufahrten als kritisch.
Besonders die Verkehrsbelastung auf den Autobahnen könne für Reisende und Flughafenpersonal zu Schwierigkeiten führen.
Er verwies dabei unter anderem auf starke Staus an Freitagen.
Die Fluggesellschaft fordert Verbesserungen der Verkehrsorganisation und einen stärkeren Einsatz technischer Lösungen.
Für Passagiere bedeutet das: Selbst wenn der Flug planmäßig stattfindet, kann die Anreise zum Flughafen durch Staus erschwert werden.
Reisende sollten deshalb insbesondere zu verkehrsreichen Zeiten ausreichend Zeit für die Fahrt einplanen.
Ausbildung von 82 Flugzeugwartungstechnikern
Binter investiert nicht nur in neue Flugzeuge, sondern auch in die Ausbildung von Fachkräften.
Derzeit werden nach Unternehmensangaben 82 Teilnehmer in drei Ausbildungsjahrgängen zu Technikern für die Flugzeugwartung ausgebildet.
Guerra bezifferte die Beschäftigungsaussichten in diesem Bereich auf 99 Prozent.
Diese Angabe bezieht sich auf die von Binter dargestellte Beschäftigungsfähigkeit beziehungsweise Arbeitsmarktnachfrage in dem Ausbildungsbereich.
Sie bedeutet nicht, dass bereits 99 Prozent der aktuell 82 Auszubildenden einen Arbeitsvertrag erhalten haben.
Guerra sprach sich außerdem für den Aufbau eines größeren Pools qualifizierter Fachkräfte aus.
Damit sollen auch Kanarier, die außerhalb der Inseln studieren oder arbeiten, bessere Möglichkeiten erhalten, in ihre Heimat zurückzukehren.
Nach Unternehmensangaben beschäftigt Binter insgesamt mehr als 3.000 Mitarbeiter.
Werden Flugtickets jetzt teurer?
Steigende Treibstoffkosten können die wirtschaftliche Kalkulation von Fluggesellschaften verändern.
Ob daraus höhere Ticketpreise entstehen, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.
Dazu gehören unter anderem die Nachfrage, die Auslastung der Flugzeuge, der Wettbewerb auf einzelnen Strecken und die Preisstrategie der Airline.
Binter hat bei der Veranstaltung keine konkrete allgemeine Preiserhöhung angekündigt.
Ebenso wenig wurde zugesichert, dass die Ticketpreise trotz steigender Betriebskosten unverändert bleiben.
Für Passagiere lässt sich aus den Aussagen deshalb vor allem eines ableiten: Binter hält vorerst an ihrem Flugangebot fest, während die weitere Preisentwicklung offenbleibt.
Unsere Einordnung: Für Inselbewohner zählt vor allem die Zuverlässigkeit
Die Entscheidung von Binter, trotz höherer Kosten vorerst keine Strecken zu streichen, ist für die Kanarischen Inseln eine wichtige Nachricht.
Anders als in vielen Regionen des spanischen Festlands sind Flugverbindungen zwischen den Inseln für zahlreiche Bewohner ein wesentlicher Bestandteil der Mobilität.
Allerdings ist ein unverändertes Streckennetz nur ein Teil der Verkehrssicherheit.
Ebenso wichtig sind zuverlässige Flugzeiten, ausreichend Kapazitäten und eine funktionierende Anreise zu den Flughäfen.
Die Kritik von Binter an der Überlastung einzelner Flughäfen und den Verkehrsproblemen auf den Zufahrtsstraßen betrifft deshalb unmittelbar den Alltag vieler Reisender.
Die Investition in neun zusätzliche Flugzeuge zeigt, dass das Unternehmen weiterhin auf Wachstum setzt. Die neuen Maschinen werden jedoch erst ab 2027 ausgeliefert und führen nicht automatisch zu zusätzlichen Verbindungen zwischen sämtlichen Inseln.
Für Passagiere bleiben drei Fragen entscheidend: Wie stabil bleibt das Flugangebot, wie entwickeln sich die Ticketpreise und ob sich die Pünktlichkeit an den stark ausgelasteten Flughäfen verbessert.
Quellen:
- Europa Press, 27. Oktober 2026, Aussagen von Santiago Guerra bei „Canarias Hacia el Futuro“.
- Binter, Angaben zur Flottenfinanzierung vom Oktober 2026.
- Tenerife Weekly, 27. Oktober 2026.

