Kanaren verlieren internationale Urlauber: Tourismusministerin warnt vor weniger Winterflügen
Die Kanarischen Inseln müssen sich nach Einschätzung von Tourismusministerin Jessica de León auf schwierigere Zeiten einstellen. Steigende Flugpreise, eine geringere Kaufkraft in wichtigen Herkunftsländern und neue Konkurrenz durch günstigere Urlaubsziele setzen den Tourismus unter Druck. Im kanarischen Parlament warnte die Ministerin am 13. Oktober 2026 davor, dass Fluggesellschaften zunehmend Kapazitäten in andere Ferienregionen verlagern.
Besonders aufmerksam verfolgt die Regionalregierung die Entwicklung in Deutschland und Großbritannien. Beide Länder gehören zu den wichtigsten Herkunftsmärkten für Urlauber auf den Kanaren.
Das Wichtigste in Kürze
- Internationale Besucher: Rund 10,3 Millionen von Januar bis August 2026, ein Rückgang um 0,5 Prozent.
- Spanien insgesamt: Die internationalen Besucherzahlen stiegen im gleichen Zeitraum um 5,4 Prozent.
- Flugverbindungen: Die Ministerin warnt vor einer geringeren geplanten Flugkapazität im Winter 2026/27.
- Konkurrenz: Ägypten und Marokko gewinnen als preisgünstigere Reiseziele an Bedeutung.
- Deutschland und Großbritannien: Hohe Reisekosten und geringere finanzielle Spielräume belasten wichtige Herkunftsmärkte.
- Infrastruktur: De León fordert 15 Millionen Euro vom spanischen Staat für touristische Investitionen.
- Konkrete Flugstreichungen: In der Parlamentsdebatte wurde keine vollständige Liste betroffener Strecken genannt.
Weniger internationale Touristen als im Vorjahr
In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 empfingen die Kanarischen Inseln rund 10,3 Millionen internationale Besucher. Das waren 0,5 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025.
Damit entwickelte sich der Archipel schwächer als der spanische Tourismus insgesamt. Landesweit stieg die Zahl internationaler Besucher im selben Zeitraum um 5,4 Prozent.
Auch bei den Reiseausgaben blieb das Wachstum auf den Kanaren vergleichsweise gering. Internationale Gäste gaben von Januar bis August rund 16,34 Milliarden Euro aus, ein Plus von 0,3 Prozent. Spanienweit stiegen die Ausgaben dagegen um rund acht Prozent.
Der Rückgang der Besucherzahlen bedeutet somit nicht, dass die Tourismuseinnahmen insgesamt bereits gesunken sind. Er zeigt jedoch, dass die Kanaren derzeit weniger stark von der allgemeinen Nachfrage nach Spanienreisen profitieren.
Tourismusministerin: 18 Millionen Besucher sind nicht garantiert
In der Sitzung des kanarischen Parlaments reagierte Jessica de León auf eine Anfrage von Casimiro Curbelo, Abgeordneter der Agrupación Socialista Gomera (ASG) und Präsident des Cabildo von La Gomera.
Die Ministerin machte deutlich, dass die Kanarischen Inseln nicht davon ausgehen könnten, jedes Jahr automatisch rund 18 Millionen Touristen anzuziehen.
Entscheidend seien die Wettbewerbsfähigkeit des Reiseziels, die Qualität der touristischen Angebote und die Arbeit der Unternehmen und Beschäftigten.
Curbelo bezeichnete den Rückgang internationaler Besucher als Warnsignal. Er forderte eine Verbesserung des touristischen Angebots und eine langfristige Planung, um die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors zu sichern.
Warum werden Flüge auf die Kanaren teurer?
Nach Einschätzung der Tourismusministerin treffen mehrere Faktoren zusammen.
Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die gestiegenen Preise für Flugkraftstoff. Höhere Betriebskosten können dazu führen, dass Fluggesellschaften ihre Ticketpreise erhöhen oder weniger rentable Verbindungen reduzieren.
Hinzu kommen Steuern und Abgaben im europäischen Luftverkehr, deren Auswirkungen De León kritisierte.
Gleichzeitig begrenzen Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit die finanziellen Möglichkeiten vieler Urlauber.
Die Ministerin verwies besonders auf Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Wenn Haushalte weniger Geld für Reisen zur Verfügung haben, steigt die Bedeutung des Gesamtpreises für Flug, Unterkunft und Verpflegung.
Für die Kanarischen Inseln ist diese Entwicklung besonders relevant, weil internationale Besucher fast ausschließlich auf Flugverbindungen angewiesen sind.
Ägypten und Marokko werden zu stärkeren Konkurrenten
Als zusätzliche Herausforderung nannte De León die wachsende Konkurrenz durch Reiseziele, in denen ein Urlaub insgesamt günstiger sein kann.
Sie verwies insbesondere auf Ägypten und Marokko.
Nach ihren Angaben verlagern Fluggesellschaften wie der britische Anbieter Jet2 Teile ihres Angebots in solche Märkte.
Für Airlines und Reiseveranstalter spielen dabei nicht nur die Kosten eines Fluges eine Rolle, sondern auch die Nachfrage und die Preise für Unterkünfte und Pauschalreisen.
Wenn ein Urlaub in einer anderen Region für Reisende deutlich günstiger ist, können Fluggesellschaften dort bessere wirtschaftliche Perspektiven sehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Jet2 sämtliche Kanaren-Verbindungen streicht. Die Ministerin sprach über eine Verlagerung von Kapazitäten, nicht über einen vollständigen Rückzug der Airline.
Welche Flugverbindungen sind im Winter 2026/27 betroffen?
Der europäische Winterflugplan beginnt am 25. Oktober 2026 und endet am 27. März 2027.
In der Parlamentsdebatte nannte Jessica de León keine vollständige Aufstellung der betroffenen Flugstrecken, Flugtage oder Flughäfen.
Ihre Warnung bezieht sich auf die insgesamt geplante Flugkapazität und die zunehmende Konkurrenz um internationale Verbindungen.
Konkrete Änderungen müssen deshalb anhand der Flugpläne der jeweiligen Airlines überprüft werden.
Für Reisende aus Deutschland gibt es bereits gesondert angekündigte Kürzungen. Ryanair hat beispielsweise die Schließung ihrer Berliner Basis zum 24. Oktober 2026 angekündigt. Davon sind auch bisherige Verbindungen nach Fuerteventura, Gran Canaria und Lanzarote betroffen.
Diese Entscheidung wurde jedoch von Ryanair vor allem mit hohen Steuern und Flughafengebühren in Deutschland begründet. Sie darf daher nicht allein auf die von De León angesprochenen Kerosinpreise zurückgeführt werden.
Weitere Einzelheiten enthält unser Bericht:
Weniger Flugrouten im Winter wegen hoher Kerosinpreise
Was bedeutet die Entwicklung für Reisende aus Deutschland?
Für Urlauber und Residenten sind vor allem drei Entwicklungen relevant: die Zahl verfügbarer Direktverbindungen, die Flugfrequenzen und die Ticketpreise.
Wenn eine Airline ihre Kapazität auf einer Strecke reduziert, kann das bedeuten, dass sie weniger wöchentliche Flüge anbietet. Eine vollständige Streichung ist damit nicht zwangsläufig verbunden.
Weniger Direktverbindungen können längere Reisezeiten und zusätzliche Umstiege erforderlich machen.
Wer bereits einen Flug für den Winter gebucht hat, sollte zunächst die Mitteilungen seiner Fluggesellschaft beachten.
Wird ein bestätigter Flug annulliert, bestehen nach der europäischen Fluggastrechteverordnung grundsätzlich Ansprüche auf Erstattung oder anderweitige Beförderung. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen Betreuungsleistungen und eine zusätzliche Ausgleichszahlung hinzu.
Die allgemeinen Warnungen der Tourismusministerin begründen dagegen noch keine individuellen Fluggastansprüche.
Warum ist die Wintersaison für die Kanaren besonders wichtig?
Anders als viele Urlaubsregionen am Mittelmeer haben die Kanarischen Inseln ihre wichtigste internationale Reisesaison in den Wintermonaten.
Das milde Klima macht den Archipel besonders für Urlauber aus Nord- und Mitteleuropa attraktiv.
De León bezeichnete den bevorstehenden Winter deshalb als entscheidend, um die bisherige Entwicklung der Besucherzahlen und Tourismuseinnahmen auszugleichen.
Die Ministerin verwies außerdem auf die Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten. Diese beeinflusse die Reiseplanung und erschwere Prognosen für die kommenden Monate.
Ob die Kanaren den bisherigen Besucherrückgang im Winter ausgleichen können, hängt somit nicht nur von den Flugkapazitäten ab, sondern auch von der Nachfrage und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung.
Kanaren fordern 15 Millionen Euro für touristische Infrastruktur
Neben den kurzfristigen Herausforderungen bei Flugpreisen und Buchungen sprach sich De León für weitere Investitionen in die touristische Infrastruktur aus.
Sie forderte die Auszahlung von 15 Millionen Euro, die nach ihren Angaben im spanischen Staatshaushalt für touristische Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen waren.
Die Ministerin kritisierte, dass diese Mittel seit 2022 nicht an die Kanaren übertragen worden seien.
Welche konkreten Projekte mit dem Betrag finanziert werden sollen, wurde in der Berichterstattung über die Parlamentsdebatte nicht näher aufgeschlüsselt.
Auch Casimiro Curbelo betonte, dass die touristische Entwicklung besser geplant werden müsse. Ohne ausreichende Investitionen und eine Verbesserung des Angebots könnten die Inseln langfristig an Attraktivität verlieren.
Unsere Einordnung: Flugverbindungen sind auch für Einwohner wichtig
Die Warnung der Tourismusministerin betrifft nicht nur Hotels und Reiseveranstalter. Für die Bewohner der Kanarischen Inseln sind internationale Flugverbindungen ebenfalls von großer Bedeutung.
Viele Residenten reisen regelmäßig nach Deutschland, Großbritannien oder in andere europäische Länder, um Familie zu besuchen, geschäftliche Termine wahrzunehmen oder medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen.
Wenn Direktverbindungen wegfallen oder seltener angeboten werden, kann dies die Reiseplanung erschweren.
Gleichzeitig sollte zwischen einer geringeren geplanten Flugkapazität und einem tatsächlichen Rückgang der Urlaubernachfrage unterschieden werden.
Der bisherige Rückgang internationaler Besucher um 0,5 Prozent ist vergleichsweise gering. Er reicht allein nicht aus, um von einer Krise des kanarischen Tourismus zu sprechen.
Die Entwicklung zeigt jedoch, dass hohe Besucherzahlen keine Selbstverständlichkeit sind.
Langfristig dürfte deshalb nicht nur entscheidend sein, möglichst viele Touristen anzuziehen. Ebenso wichtig sind ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine funktionierende Infrastruktur und touristische Angebote, von denen auch die einheimische Bevölkerung profitiert.
Quellen:
- Europa Press, 13. Oktober 2026: Aussagen von Jessica de León im kanarischen Parlament
- Tourinews, 14. Oktober 2026: Besucherzahlen, Reiseausgaben und Flugverbindungen
- Tenerife Weekly: Ursprünglicher Bericht

